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Selbständig
machen - aber wie...
Gemeinsam
selbstständig machen?
von Gitte Härter
(selbstmarketing.de)
Sich gemeinsam mit anderen selbstständig zu machen, hat seinen
Reiz: Man kann Kenntnisse und Erfahrungen bündeln, Stärken
gemeinsam nutzen und hat vor allen Dingen einen oder mehrere Mitstreiter
beim Aufbau des eigenen Unternehmens.
Leider geht dieses Vorhaben häufig schief. Hier einige Aspekte,
die Sie sich vorher gut ansehen sollten.
Was
haben Sie überhaupt vor?
Bevor
Sie sich darüber Gedanken machen, ob und mit wem Sie sich
zusammentun möchten, ist es wichtig, dass Sie sich klare
und konkrete Vorstellungen über Ihre Pläne machen:
-
Was genau möchte ich an Leistungen anbieten/an Produkten
vertreiben?
-
Auf welchem Weg?
-
Was bringe ich an fachlichen und persönlichen Fähigkeiten/Qualifikationen
mit?
-
Wo sehe ich Informationsdefizite oder mangelnde Kenntnisse/Fähigkeiten/Erfahrung?
Das
sind natürlich nur einige allgemeine Fragen, die Ihnen dabei
helfen sollen, Ihre Pläne zu konkretisieren.
Vielleicht sind Sie bereits selbstständig und möchten
sich nachträglich mit jemandem zusammentun: Weil Sie eine
interessante Person kennengelernt haben, mit der Sie sich eine
gemeinsame Firma vorstellen können. Weil Sie Ihr Geschäft
erweitern möchten und weiteres Know-how oder Kontakte mit
ins Boot holen möchten.
Auch wenn Sie bereits ein eigenes Unternehmen führen, sollten
Sie sich fragen, wo Ihr Weg Sie hinführen soll - und weswegen
Sie der Ansicht sind, dass es gut oder wichtig ist, sich mit anderen
zusammenzutun.
Es
ist sehr verlockend, gleich Pläne für zwei oder mehrere
Leute zu machen: Wir könnten dies, wir könnten jenes
... Tun Sie sich jedoch den Gefallen und klopfen erstmal Ihre
persönliche Situation/Ihre Vorstellungen und Pläne ab
- denken Sie zunächst für sich.
Wie
sattelfest sind Sie?
Eben
wurde es bereits kurz erwähnt: Wie sattelfest sind Sie, was
fachliches Know-how, Fähigkeiten und Erfahrungen angeht?
Denken Sie hier nicht nur an Ihre Kernkompetenzen, sondern auch
an die weiteren Themen, die für ein eigenes Unternehmen relevant
und wichtig sind (Finanzfragen, Verkauf etc.)
Identifizieren
Sie die Bereiche, in denen Sie sich
-
kompetent, sicher und "sattelfest" fühlen
-
unsicher fühlen oder wissen, dass Sie Defizite bzw. kein
Interesse an bestimmten Themen haben
Notieren Sie die einzelnen Themengebiete, Kenntnisse und Fähigkeiten.
Denn nur mit einer solchen Bestandsaufnahme können Sie konsequent
überlegen und planen.
Häufig
tun sich Selbstständige mit anderen zusammen, weil sie eigene
Defizite ausgleichen möchten. Das ist prinzipiell ein sinnvoller
Gedanke, doch wird dabei schnell übersehen, dass es nicht
unbedingt nötig ist, deswegen gleich ein gemeinsames Unternehmen
zu gründen.
Es
gibt vielfältige Formen der Kooperation - und es gibt die
Möglichkeit, für bestimmte Gebiete externe Dienstleister
zu beauftragen.
Was
sind Ihre Gründe?
Einige
Gründe, sich mit anderen gemeinsam selbstständig zu
machen, habe ich bereits angesprochen. Ergänzen möchte
ich drei weitere:
1.
Vereinsamung
Auf sich alleine gestellt zu sein - ob am Anfang oder nach einigen
Jahren - ist etwas, das den meisten Einzelunternehmern an die
Nieren geht: Niemand zum Austauschen da, keiner, der einen auch
mal aus einem Motivationsloch holt - oder einfach Ansprache, andere
Ideen, Power, Leben in der Bude.
2.
Der Wunsch, das Risiko zu teilen
Besonders zu Beginn ist der Wunsch groß, sich nicht alleine
in das Abenteuer Selbstständigkeit zu stürzen - dabei
ist nicht nur vom geschäftlichen Risiko die Rede, sondern
auch vom Mut, den Schritt zum eigenen Unternehmen zu wagen und
das "Baby" gut auf die Welt zu bringen und erfolgreich
weiterzuentwickeln.
3.
Die Hoffnung, die andere Person bringt Aufträge heran
Oft sind Selbstständige fachlich top, tun sich jedoch schwer
mit der Akquise und dem aktiven Selbstmarketing. Wir sehen immer
wieder, dass sich Einzelunternehmer zusammenschließen in
der Hoffnung, dass die andere Person - ob Neuling im Geschäft
oder jemand mit eigenem Business - Aufträge (mit)bringt.
Abgesehen
von den beispielhaft genannten Gründen: Hinterfragen Sie
unbedingt
-
Warum hegen Sie den Wunsch, sich mit jemandem zusammenzutun?
-
Was erhoffen Sie sich davon?
- Was erwarten Sie von der anderen Person?
-
Wenn Sie bereits eine oder mehrere konkrete Person(en) im Auge
haben: Warum gerade diese Konstellation?
-
Wenn Sie unsicher sind oder in gewisser Beziehung Zweifel haben:
Worin bestehen diese? Wie gehen Sie damit um?
Wie
suchen/finden Sie mögliche Partner?
Was
Sie bitte keinesfalls tun sollten, ist mit vagen Bekannten oder
Freunden mal eben auf den Wir-könnten-uns-doch-gemeinsam-selbstständig-machen-Zug
aufzuspringen! Die absurdeste Variante, die ich leider immer wieder
zu hören bekomme, sind Sachen wie diese:
"Ich überlege gerade, mich selbstständig zu machen,
und war auf einem Info-Abend beim Existenzgründerbüro.
Da hab ich eine nette Frau kennengelernt, die meine Leistungen
gut ergänzen würde. Wir überlegen jetzt, eine gemeinsame
Firma zu gründen."
Hilfe! Bitte, bitte machen Sie sowas nicht. Es ist immer gut,
wenn Sie neue, interessante und auch nette Kontakte knüpfen.
Wenn diese auch noch wichtiges Know-how oder ergänzende Leistungen
anbieten, wunderbar. Doch bitte nicht gleich in Form eines gemeinsamen
Unternehmens.
Sie
können wunderbar einzelne Projekte zusammen machen - oder
auch eine Bürogemeinschaft eingehen ... jedoch empfehle ich
Ihnen getrennte Firmen und getrennte Kasse. Sollte sich nach längerer
erfolgreicher Zusammenarbeit zu einem späteren Zeitpunkt
herauskristallisieren, dass Sie eine gemeinsame Firma ins Leben
rufen möchten, wunderbar.
Jedoch keineswegs spontan und auf reiner Sympathie oder vagen
Plänen basierend.
Weitere
Varianten für die gemeinsame Firmengründung sind "wir
haben gemeinsam eine Schule/Fortbildung besucht", "wir
haben zusammen studiert" und "wir sind befreundet/im
selben Bekanntenkreis".
Klar, Sich-gut-Verstehen ist wichtig, sich zu mögen ebenso
- doch ausreichend ist das noch lange nicht.
Vielleicht
fragen Sie sich spätestens jetzt, wieso ich zur Vorsicht
rate, wir jedoch selbst zu zweit unsere Firma gegründet haben.
Bei uns war es so, dass wir viele Jahre gemeinsam als Angestellte
im selben Unternehmen tätig waren und besonders in unseren
Funktionen als Abteilungsleiter sehr eng zusammengearbeitet haben.
Wir wussten durch jahrelange Praxis, dass wir gut zusammenarbeiten
können, dass wir uns trotz völlig unterschiedlicher
Persönlichkeiten gut ergänzen und voneinander lernen,
dass wir unterschiedliches Wissen und Fähigkeiten verbinden
können - und wir haben sehr ähnliche Einstellungen und
Ziele.
Theorie
ist geil - Praxis ist ernüchternd
Mit
dieser plakativen Überschrift ist gemeint: Pläne zu
machen und auszuhecken, was man alles gemeinsam tun könnte
und möchte, ist eine Sache. Die Praxis mit einem ganz neuen
oder jungen Unternehmen ist reichlich ernüchternd.
Ich
kenne Firmen (zu zweit oder mit einem Team von Leuten), die ständig
hochbeschäftigt sind - mit Meetings, Budgetplanung, Ideen
und Strategien - und die eine Illusion von Firma und Beschäftigung
aufbauen. Tatsächlich sind die Außenkontakte und die
Auftragslage flau. Je mehr man sich jedoch in Plänen und
reinen Vorbereitungen verliert, desto nebliger wird die Realität.
Und so ist schon manche Firma in die Binsen gegangen, die nach
außen gesund aussah.
Sofern
Sie sich also zusammenschließen: Behalten Sie Bodenkontakt
und passen Sie auf, dass Sie sich nicht nur miteinander in tollen
Ideen ergehen, davon können Sie nämlich Ihre Firma nicht
beleben und Ihre Miete nicht bezahlen.
Wohin
geht die Reise?
Ein
weiterer wichtiger Aspekt sind die Ziele und Vorstellungen, die
Sie bei einem gemeinsam geführten Unternehmen haben. Diese
beziehen sich auf die eigene Funktion, auf die Planung und konkreten
Visionen und Ziele, die Sie für Ihre Berufstätigkeit,
Ihre Firma und Ihre Kunden haben:
-
Wie soll sich meine Firma nach außen geben? Wie soll sie
sein? Was verkörpern wir? Wofür stehen wir?
-
Was ist mir wichtig? (Was ist meinem tatsächlichen oder potenziellen
Geschäftspartner wichtig?)
-
Wo sehe ich mein Unternehmen in einigen Jahren?
- Welche Strategien stelle ich mir vor?
Das
Ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt:
-
Was möchte ich auf keinen Fall?
Diese Aspekte sind besonders am Anfang sehr schwierig, denn wenn
eine Firma noch in den Kinderschuhen steckt, hat man häufig
noch nicht so genaue Vorstellungen - vieles ergibt sich erst nach
einem, zwei, drei Jahren: Die Inhalte können sich ändern,
die Zielvorstellungen anpassen oder es ergeben sich durch zu viele
oder zu wenige Aufträge neue Themen und Erfordernisse.
Was
Sie jedoch bereits im Vorfeld abklopfen können und sollten,
sind die grundsätzlichen (momentanen) Ziele.
Beispiel: Möchten Sie, dass Ihr Unternehmen klein und inhabergeführt
bleibt, oder planen Sie, mit Mitarbeitern zu starten bzw. später
zu expandieren?
Grundlegende
Vorstellungen und Pläne müssen von vornherein so klar
wie möglich sein und auch mit möglichen Partnern abgestimmt
werden. Das heißt nicht, dass Sie mit Ihren Zielen auf ewig
verheiratet sind. Doch Sie finden gemeinsam gleich heraus, ob
Alarmglocken läuten müssen oder ob Sie grundsätzlich
unterschiedliche Richtungen anstreben.
Gehen
Sie niemals leichtfertig darüber hinweg, wenn Vorstellungen
und Erwartungen bereits am Anfang deutlich auseinanderklaffen.
Tipp:
Kooperation muss keine gemeinsame Firma sein.
Mit
anderen zu kooperieren - kurzfristig für einzelne Projekte
oder auch längerfristig - ist für Einzelunternehmer
eine feine Sache.
Heimarbeit
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